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FC St. Pauli-Album - Bonustrack: Auf Reisen

Mit unvergesslichen Sprüchen, Fotos und Anekdoten auf 160 Seiten lädt das FC St. Pauli Album von 1910 e.V. und Christoph Nagel (Verlag Die Werkstatt, 9,99 Euro) zu unterhaltsamen Zeitreisen in Braun-Weiß ein. Das gesamte Autorenhonorar geht an das zukünftige FC St. Pauli-Museum. In der Winterpause unterhalten wir Euch mit einigen der schönsten Zitate und Geschichten aus dem neuen Buch – zusammen mit bislang unveröffentlichten „Extras“. Thema diesmal: Der FCSP auf Reisen...

Was sagt man, wenn der vereinbarte Urlaub zur Winterpause etwas länger ausgefallen ist – sagen wir, so 35 Tage? Der frühere FC St. Pauli-Verteidiger Jean-Clotaire Tsoumou Madza (26 Spiele und 1 Tor in der Saison 1999/2000) hatte sich eine psychologisch gewiefte Strategie zurechtgelegt: Schwungvoll die Tür zur Geschäftsstelle öffnen, gutgelaunt eintreten und für alle vernehmlich rufen: „Tsoumou ist wieder da!“

Ganz andere Probleme dagegen hatte die braun-weiße Mannschaft nach dem unerwarteten Aufstieg 2001: Sie durfte auf Auswärtstour nach Stuttgart gar nicht erst abheben! 7:30 Uhr am Flughafen Fuhlsbüttel. Das braun-weiße Team um „Didi“ Demuth, Kapitän Holger Stanislawski und Manager Stephan Beutel ist noch leicht verschlafen, aber vollständig am Start.

Eher unerwartet die Begrüßung am Flugschalter: „Guten Tag, Ihr seid doch der HSV? Sorry, aber der Flug nach Stuttgart ist gestrichen!“ Beutel reagierte geistesgegenwärtig, zeigte auf Holger Stanislawski und brachte den Namen des damaligen HSV-Managers ins Spiel: „Guten Tag, ja, das da ist unser Reiseleiter Herr Wehmeyer.“ Stanislawski „Tag, Wehmeyer. Wann geht denn unser Flug nach Turin? Wir müssen zum Spiel zu Juventus!“

Schließlich wurde dem Mann am Schalter die Verwechslung dann doch bewusst, und die Mannschaft durfte einige Stunden später abheben. Vermutlich hatte keiner der Spieler beim Einchecken ähnliche Sorgen wie Mittelfeldlegende Jürgen Gronau in den 80ern: Der nämlich hatte die Aufgabe übernommen, in seinem Gepäck ein ganzes Fass Bier zu schmuggeln.

Entsprechend groß waren die Augen des Flughafen-Mitarbeiters, als sich die Fass-Konturen auf dem Monitor des Airport-Sicherheitsscanners abzeichneten. Da Trainer Schulte direkt hinter Gronau stand, waren verbale Überredungsversuche ausgeschlossen – und so legte Gronau einfach nur den Finger auf die Lippen und schaute flehend. Heute undenkbar: Der Sicherheitsmann schwieg, das Fass wurde mittransportiert – und während des Aufenthalts im Trainingslager auf wechselnden Zimmern geleert.

Noch größer war wohl nur der Durst der frischgebackenen FC St. Pauli-Aufsteiger von 1988 nach ihrem 1:0-Auswärtssieg in Ulm, der den Weg ins „Oberhaus“ endgültig frei machte – was schon an Bord ausgiebig gefeiert wurde, wie Defensivmann Stefan Studer und Keeper Volker Ippig, der sich offenbar das Käppi des Flugkapitäns gesichert hatte, auf dem Foto oben unter Beweis stellen.

Für „Dallas“-Star Audrey Landers brachten die „Boys in Brown“ allerdings eher Frust: Fast zeitgleich mit den Aufsteigern des FC St. Pauli angekommen, dachte sie, der Massenauflauf auf dem Hamburger Flughafen sei ein Zeichen ihrer Popularität in Deutschland. Ihre Reaktion, als sie die Wahrheit erfuhr, ist leider nicht überliefert.

 

 

(cn)

Fotos: Witters / 1910 e.V.

 

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